NÖ pfuscht im Wert von 4,8 Milliarden Euro
Rund 4,8 Milliarden Euro soll 2026 das Volumen der Schwarzarbeit in Niederösterreich betragen, wie eine Studie der Johannes Kepler Universität in Linz zeigt. Begründet wird der Trend zum Pfusch unter anderem mit der gesunkenen Inflation sowie den Budgetmaßnahmen.
Am meisten schwarz gearbeitet wird in Niederösterreich im Sektor "Baugewerbe und Handwerksbetriebe". Das zeigen Berechnungen von Friedrich Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität in Linz. Laut Schneider macht dieser Sektor in Niederösterreich 2026 mehr als 1,86 Milliarden Euro aus.
Ebenso viel gepfuscht wird laut den Untersuchungen in den "sonstigen Gewerbebetrieben und haushaltsnahen Dienstleistungen". In diesen Sektor fallen etwa Friseur, Nachhilfe oder Babysitten. 812 Millionen Euro umfasst dieser Bereich zusammengerechnet in Niederösterreich, heißt es in der Studie, die noe.ORF.at vorliegt.
Auf jeweils 765 Millionen Euro kommt die Schattenwirtschaft, also der Pfusch, in Niederösterreich bei anderen Gewerbe- und Industriebetrieben (Kfz, Maschinen) sowie in Dienstleistungsbetrieben (Hotels und Gaststätten). In der Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche wird laut den Untersuchungen um 573 Millionen Euro gepfuscht.
Niederösterreich liegt damit im österreichweiten Vergleich hinter Wien und Oberösterreich. Begründet wird der Anstieg des Pfuschs mit einer gesunkenen Inflation, einer gestiegenen Arbeitslosigkeit, einem geringen Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie mit den seit 2025 eingesetzten Budgetsparmaßnahmen. 2025 wurde der Pfusch in Niederösterreich mit einem Wert von 4,57 Milliarden Euro beziffert, das entspricht einem Anstieg von 4,5 Prozent.
Die größten Verlierer sind laut Schneider der Staat und die Sozialversicherungsträger. Der Ökonom spricht von Steuer- und Sozialversicherungsbeitragsausfällen in der Höhe von 2,0 bis 3,5 Milliarden Euro. Abgemildert würden die Steuerverluste etwas, "da das im Pfusch verdiente Geld im Durchschnitt zu 80 Prozent sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben wird", heißt es.
Weitere Verlierer seien die Unfall- und Krankenversicherungen, die die erhöhten Kosten der zusätzlichen Unfälle bzw. Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher zu tragen hätten.
Bund und Länder sollten sich für Maßnahmen zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft einsetzen, rät Schneider und schlägt drei konkrete Maßnahmen vor: Die Wiedereinführung des Handwerkerbonus von 2.000 Euro pro Haushalt und Jahr, die Senkung der Lohnnebenkosten und die abgeschaffte kalte Progression zu 100 Prozent wieder einzuführen.