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Totes Kleinkind: „Druck auf Familien steigt“

Totes Kleinkind: „Druck auf Familien steigt“

Totes Kleinkind: "Druck auf Familien steigt"

Nach dem Fund eines toten Kleinkindes am Mittwoch in Groß Gerungs (Bezirk Zwettl) laufen die Ermittlungen. Fälle wie dieser nehmen zu, sagt Jana Zuckerhut, Leiterin des Kinderschutzzentrums Möwe in St. Pölten. "Der Druck auf Familien steigt."

Erst vergangene Woche wurden in Kitzbühel (Tirol) ein fünfjähriger Bub und seine Mutter tot aufgefunden. In Leoben (Steiermark) soll eine Mutter ihren elfjährigen Sohn getötet haben. In Nickelsdorf (Burgenland) wurde ein Säugling tot aufgefunden – mehr dazu in Totes Baby in Nickelsdorf: Festnahmen (burgenland.ORF.at; 19.2.2026). Und am Mittwoch wurde ein Kleinkind in einer Wohnung in Groß Gerungs tot aufgefunden – mehr dazu in Totes Kleinkind: Obduktion angeordnet (noe.ORF.at; 18.2.2026).

Zuletzt häuften sich Meldungen wie diese. "Wir in den Kinderschutzzentren nehmen schon wahr, dass sich die Fälle häufen. Auch die Anfragen bei uns nach Beratung werden immer mehr", sagte Jana Zuckerhut, Leiterin des Kinderschutzzentrums Möwe in St. Pölten, im "NÖ heute"-Gespräch am Donnerstagabend. "Und es ist spürbar, dass der Druck auf die Familien steigt."

Auf die Frage, was in einer Mutter vorgeht, die ihr eigenes Kind tötet, antwortete Zuckerhut: "Man kann davon ausgehen, dass die Mutter in dem Moment nicht mehr zurechnungsfähig war." Die Leiterin des Kinderschutzzentrums sprach von einer Ausnahmesituation und dass die Mutter keinen anderen Ausweg gesehen habe. "Ich würde sagen Überforderung, psychischer Druck, vielleicht auch eine posttraumatische Belastungsstörung. Da kann es viele Hintergründe geben, warum Mütter so etwas tun."

Oft gebe es vor einer Tat schon Warnzeichen, so Zuckerhut. "Oft sieht man schon eine Erschöpfung, vielleicht einen groben Umgang mit dem Kind, Ungeduld, Übermüdung. Dann merkt man, da kann schon etwas im Busch sein."

Zudem habe man meistens ein Baugefühl. "Und in so einem Fall sollte man dringend dann auch Hilfe anbieten. Da geht es nicht um Verurteilung, sondern da geht es darum, auch wirklich zu sagen: Ich sehe, dir geht es gerade nicht gut. Kann ich dir irgendwie helfen? Oder möchtest du mit mir wohin gehen, wo du Hilfe bekommst?", so Zuckerhut.

Bei einem Verdacht sollte lieber einmal zu viel gemeldet werden als zu wenig. "Wenn dann wirklich etwas passiert, fragt man sich, warum habe ich denn nicht gemeldet oder warum habe ich denn nichts gesagt?" Zuckerhut verweist auf Möglichkeiten in Österreich, wo man sich hinwenden kann, wie etwa bei den Möwe-Kinderschutzzentren oder bei den Frühen Hilfen, wo man niederschwellige Unterstützung bekommen kann. "Eltern, Mütter, Väter, aber auch Personen, die mit Kindern zusammenarbeiten, können sich jederzeit bei uns in den Kinderschutzzentren melden", so die Leiterin. Zudem gebe es auch anonyme Beratung.

Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Österreichweit und in den Bundesländern gibt es Anlaufstellen, die Rat und Unterstützung im Krisenfall anbieten.

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