Millionen Seiten veröffentlicht: Prominente Namen in neuen Epstein-Akten
Das US-Justizministerium hat Millionen Seiten Ermittlungsakten zum Fall des früheren Investmentbankers und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Die Liste prominenter Namen, die darin vorkommen, ist laut Berichten vom Samstag lang – von US-Präsident Donald Trump abwärts. US-Handelsminister Howard Lutnick hat Erklärungsbedarf, den früheren britischen Prinzen Andrew dürften Fotos weiter in Bedrängnis bringen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass in der Auswertung der Dokumente weitere Namen und belastende Indizien auftauchen, umfassen diese doch laut Angaben des US-Justizministeriums mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, etwa 2.000 Videos und an die 180.000 Fotos. Die Freigabe sei damit abgeschlossen, hatte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche am Freitag gesagt. Die Auswertung beginnt allerdings erst nach und nach.
In den Akten taucht – erneut – der Name Trump auf, Lutwick soll falsche Angaben zu seinen Kontakten zu Epstein gemacht haben. Andrew Mountbatten-Windsor soll ein Foto gebeugt über eine junge Frau zeigen, der Name des Tech-Milliardärs und früheren Trump-Beraters Elon Musk taucht auf, auch der des britischen Milliardärs Richard Branson. Microsoft-Mitbegründer Bill Gates wird genannt.
In neue Bedrängnis könnte die Veröffentlichung insbesondere den mittlerweile degradierten Prinzen Andrew bringen, nachdem der britische "Guardian" Fotos aus den Akten veröffentlichte, die ihn auf dem Boden kniend über einer Frau zeigen sollen. Auf einem Bild hat die gezeigte Person, bei der es sich um Andrew handeln soll, eine Hand auf deren Bauch.
Sein Name soll in den Ermittlungsunterlagen mehrfach auftauchen, unter anderem soll der Bruder von König Charles III. Epstein 2010 in den Buckingham-Palast eingeladen haben. Ob Epstein, der damals auf Bewährung von seinem Hausarrest befreit war, der Einladung in den Palast nachkam, ist daraus nicht ersichtlich.
Charles hatte seinem Bruder wegen dessen früherer Verbindung zu Epstein alle königlichen Titel und Ehren aberkannt. Die US-Australierin Virginia Giuffre hatte den ehemaligen Prinzen beschuldigt, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben.
Gleichfalls Erklärungsbedarf hat nach Veröffentlichung der neuen Unterlagen US-Handelsminister Lutnick, der laut Berichten vom Samstag falsche Angaben über seine Kontakte zu Epstein gemacht hatte. Aus E-Mails gehe hervor, dass er auf Epsteins Privatinsel zu Besuch gewesen sei, Lutnick hatte das zuvor bestritten.
Aus diesen E-Mails gehe hervor, dass sich Lutnick – seit Februar 2025 US-Handelsminister – und Epstein am 23. Dezember 2012 zu einem Mittagessen auf der Karibikinsel Little Saint James verabredet hatten. Lutnicks Ehefrau habe die Ankunft per Boot angekündigt, woraufhin Epsteins Assistentin später eine Nachricht ihres Chefs mit dem Inhalt "schön, euch zu sehen" weitergeleitet haben soll.
Gegenüber der "New York Times" habe Lutnick telefonisch erklärt, er habe "null Zeit mit Epstein verbracht" und schnell aufgelegt, berichtete am Samstag CNN. Nun sei eine Reihe neuer Fragen zu Kontakten Epsteins offen, und die Dokumente könnten für Vertraute von US-Präsident Donald Trump "Probleme schaffen".
Auch der Name von Trump taucht in den neu veröffentlichten Dokumenten immer wieder auf. Es stelle sich wieder die Frage, wann er seine Kontakte zu Epstein, der 2019 in der Haft durch Suizid starb, abgebrochen habe.
In einer E-Mail gehe es um eine Einladung zu Weihnachten 2012 in Trumps Club Mar-a-Lago, Jahre nachdem er angeblich die Freundschaft zu Epstein beendet hatte. Das Weiße Haus teilte laut CNN mit, die Akten könnten "gefälschte Bilder, Dokumente oder Videos enthalten".
Neben Politikern scheinen auch Wirtschaftsgrößen in den Dokumenten auf. Musk habe in einer E-Mail nach geplanten Partys gefragt, lehnte aber eine Einladung auf die Insel ab. Musk erklärte dazu auf der Plattform X, er habe nur wenig Kontakt zu Epstein gehabt. Er soll seinerzeit gefragt haben: "An welchem Tag oder in welcher Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?"
Auch der Name Gates' war bereits in früher veröffentlichten Akten aufgetaucht. In einem nun veröffentlichten E-Mail-Entwurf seien "heimliche Treffen mit verheirateten Frauen" zur Sprache gekommen. Gates' Stiftung erklärte, es handle sich um "absolut absurde und vollkommen falsche Behauptungen" eines erwiesenermaßen "verbitterten Lügners".
Der Name des britischen Milliardärs Richard Branson ist ebenfalls zu lesen, dieser soll Epstein laut Akten aufgefordert haben, seinen "Harem" beim nächsten Treffen mitzubringen. Verifizieren lassen sich all diese Angaben nicht. Keiner der Genannten wurde bisher offiziell beschuldigt.
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit entschuldigte sich am Samstag für ihre Kontakte zu Epstein und beteuerte, sie hätte ihn nie getroffen, hätte sie von seinen Taten gewusst. "Es ist einfach peinlich."
Der slowakische Ex-Außenminister Miroslav Lajcak erklärte seinen Rücktritt als Regierungsberater. Den Akten zufolge hat Epstein ihm junge Frauen angeboten. Sie seien "wahrscheinlich zu jung für dich", habe Epstein geschrieben, worauf Lajcak geantwortet habe: "Du hast mich nicht in Action erlebt." Lajcak wies die Vorwürfe indes zurück: Er habe nie mit Epstein über Frauen gesprochen.
Für Kritik sorgte weiter die Schwärzung von Teilen der Akten und der Umfang der Veröffentlichungen. Die Demokraten im US-Kongress, die sich maßgeblich für die Freigabe der Akten zu Epstein eingesetzt hatten, argumentierten, dass die am Freitag veröffentlichten Unterlagen nur etwa die Hälfte der gesammelten Akten ausmachten.
Der Epstein Files Transparency Act, ein Gesetz, das nach monatelanger öffentlicher und politischer Druckausübung verabschiedet wurde, verpflichtet die Regierung, ihre Akten über den verurteilten Sexualstraftäter sowie seine Vertraute und ehemalige Freundin Ghislaine Maxwell zu öffnen. Epstein beging im August 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle Suizid, einen Monat nachdem er wegen sexuellen Menschenhandels angeklagt worden war. Maxwell wurde zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.