ORF.at

Verbund-Tarif mischt Strommarkt auf

Verbund-Tarif mischt Strommarkt auf

Verbund-Tarif mischt Strommarkt auf

Der staatliche Stromkonzern Verbund hat ab März einen neuen Österreich-Tarif angekündigt. Das Institut "Momentum" hat errechnet, dass diese Preise deutlich unter jenen der Landesenergieversorger liegen würden. Die größten Ersparnisse im Bundesländervergleich liegen in der Steiermark.

Der Verbund stell ab März einen Netto- Arbeitspreis von 9,5 Cent pro Kilowattstunde in Aussicht. Die gewerkschaftsnahe Denkfabrik "Momentum" verglich die bislang bekannten Konditionen mit den aktuellen Tarifen der Landesenergieversorger. Die Analyse zeigt: Der neue Verbund-Tarif würde deutlich günstiger ausfallen als bei fast allen Landesversorgern.

Unter der Annahme, dass die jährliche Grundpauschale im neuen Verbund-Tarif nicht höher ausfällt als in den bestehenden Verbund-Tarifen, ergibt sich laut "Momentum" für einen typischen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ein Strompreis von 467 Euro pro Jahr. Damit liegt der neue Tarif klar unter fast allen Landesenergieversorgern und Stadtwerken größerer Städte.

Das größte Einsparpotenzial zeigt die Analyse für Haushalte in der Steiermark. So würde der Tarif des Landesenergieversorgers Energie Steiermark um 190 Euro über dem Verbund-Österreich Tarif liegen. In Graz ist der Unterschied noch deutlicher. Die Energie Graz, eine Tochter der Energie Steiermark, liegt 284 Euro über dem Verbund Tarif.

Laut "Momentum" ist der neue Verbund-Österreich-Tarif im ersten Jahr nicht günstiger, ab dem zweiten Jahr aber deutlich billiger als alle bestehenden Verbund-Angebote. "Österreichs Energiekonzerne verlangen zu viel für Strom", erläuterte Oliver Picek, Chefökonom am Momentum Instituts.

Staatlich garantierte, niedrige Strompreise gibt es mit dem Sozialtarif, den Energieunternehmen ab 1. April für rund 250.000 einkommensärmere Haushalte anbieten müssen. Dieser liegt bei einem durchschnittlichen Haushalt bei 232 Euro pro Jahr. Betroffene Haushalte können sich fast zwei Drittel ihres reinen Strompreises plus Steuer dadurch ersparen – Netzentgelte und Stromabgaben ausgenommen.

Ziehen die Landesenergieversorger der Preissenkung des Verbunds nicht nach, bleibe Strom für die meisten Haushalte und kleinen Betriebe in Österreich teuer, so die "Momentum"-Analyse. Aktuell verhandelt die Bundesregierung den Energiekrisenmechanismus mit einem avisierten Netto-Strompreis von zehn Cent pro Kilowattstunde. Der Preis würde – ohne Grundpauschale – auf 420 Euro pro Jahr hinauslaufen und damit unter allen aktuell verfügbaren Stromtarifen liegen.

Das "Momentum" Institut empfiehlt einen maximalen staatlichen Strompreis, damit günstiger Strom auch in allen Haushalten und Betrieben ankommt. "Dass selbst ein mehrheitlich staatlicher Konzern wie der Verbund erst unter politischem Druck einen günstigeren Tarif anbietet, zeigt, der Markt sorgt nicht für leistbare Energiepreise, sondern dafür, dass Haushalte mehr zahlen als nötig. Will die Bundesregierung die Strompreise wirklich senken, muss sie mit dem Energiekrisenmechanismus den Stromkonzernen einen Maximalpreis vorgeben, an den sich alle halten müssen. Erst dann sinken die Strompreise deutlich", so Picek abschließend.

ORF.at

+ weitere Artikel anzeigen