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Notfallkräfte und Ärzte gegen kleinere Teams

Notfallkräfte und Ärzte gegen kleinere Teams

Notfallkräfte und Ärzte gegen kleinere Teams

Die Entscheidung der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) steht fest: Ab Juni fahren in den Notarzt-Autos nur noch Notärzte und Sanitäter mit, aber keine diplomierten Pflegekräfte mehr. Dadurch sollen 700.000 Euro gespart werden, ohne dass die Qualität sinkt. Pflegekräfte und Ärztekammer ziehen das in Zweifel.

"Im Grunde ist es so, dass wir damit Finanzmittel freimachen für andere wesentliche Bereiche. Es entspricht ungefähr einem Betrag von 700.000 Euro im Jahr für das Unternehmen oder umgerechnet neun Dienstposten, die wir dann in anderen Bereichen zur Verfügung haben", rechnet KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch auf Nachfrage des ORF-Vorarlberg vor: "Diese Mitarbeitenden, die bisher zeitweise auf den Rettungsfahrzeugen waren, sind dann zur Gänze im Unternehmen. Das hat einfach große Vorteile und sichert uns auch die Finanzierung in Zukunft."

Unter den Notfall-Teams sorgt die Maßnahme – wie vom ORF berichtet – für Unmut. In einem offenen Brief an Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) und die Krankenhausgeschäftsführung sorgen sie sich um die Qualität der präklinischen Versorgung im Land. "Wenn es um Narkotisierungen, Intubationen oder das Legen von Zugängen geht, die oftmals im Freien je nach Temperatur sehr schwierig sind, können Pflegekräfte, die das jeden Tag machen, sehr gut unterstützen", sagt Thomas Steurer, Zentralbetriebsrat der Landeskrankenhäuser.

Rückendeckung bekommen die Pflegekräfte von der Ärztekammer. Die Kürzung bei Notarzt-Einsätzen gefährde die Patientensicherheit, teilte die Kammer am Freitag mit: Die qualifizierte pflegerische Unterstützung sei eine tragende Säule moderner Notfallmedizin.

"Der gehobene Pflegedienst im NEF-Dienst ist kein verzichtbarer Komfort oder organisatorischer Luxus, sondern ein sicherheitsrelevanter Kernbestandteil des präklinischen Notfallkonzepts", hält Alexander Loibnegger, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte und Ärztinnen in der Vorarlberger Ärztekammer fest.

Die KHBG verteidigt die Entscheidung und verweist erneut darauf, dass Pflegepersonal nur in Vorarlberg noch im Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF) mitfährt. "Es wird ohnehin jetzt schon an den Standorten Hohenems und Bludenz wie auch übrigens beim Hubschrauber so gehandhabt und auch österreichweit wird es so gehandhabt", betont Fleisch: "Das war jetzt einfach etwas, was wir über Jahre noch mitgezogen haben und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das zu beenden. Die Versorgungsqualität nimmt dadurch nicht ab."

Das Rote Kreuz teilte auf ORF-Anfrage nur so viel mit: Man denke ebenfalls nicht, dass die Versorgungsqualität unter der Entscheidung leide.

Beim Stadtspital Dornbirn geht man hingegen andere Wege als in den Landeskrankenhäusern und will weiterhin an den diplomierten Pflegekräften bei Notfall-Einsätzen festhalten. Das sei aus medizinischer Sicht sinnvoll. Vom Schritt der Landeskrankenhäuser sei man überrascht, hieß es gegenüber dem ORF.

Die KHBG denkt währenddessen über zusätzliche Einsparungen nach, darunter auch die Schließung von Notarzt-Stützpunkten bei Spitälern, sagt Gerald Fleisch: "Wir haben auf ungefähr einer halben Stunde Autobahnfahrt fünf Krankenhäuser mit Notarzt- oder Rettungsstützpunkten. Das gibt es europaweit, glaube ich, sonst nicht." Man müsse gemeinsam mit den Partnern überlegen, ob man den einen oder anderen Stützpunkt schließt oder reduziert. Welche das sind, werde er "mit den Systempartnern besprechen", so Fleisch.

Die Einsparmaßnahmen haben nun auch zu einer parlamentarischen Anfrage der Grünen an Landesrätin Rüscher geführt. Sie wollen wissen, wie sichergestellt wird, dass die Qualität der Versorgung nicht unter den Sparmaßnahmen leidet. "Es kann nicht sein, dass die schwarz-blaue Landesregierung aufs Neue bewährte Strukturen der Gesundheitsversorgung zerstört und damit Know-how und Motivation mutwillig verspielt", so die grüne Sozialsprecherin Christine Bösch-Vetter.

"Mit dieser Kürzungsmaßnahme entzieht die schwarz-blaue Landesregierung Notärztinnen und Notärzten in besonders schwierigen Situationen bewährte Unterstützung", kritisiert die Grüne Gesundheitssprecherin Eva Hammerer.

Auch die überraschende Übermittlung der Kürzung per Email sei inakzeptabel, so die Grünen. Auf Nachfrage des ORF Vorarlberg sagte Gerald Fleisch dazu: "Wenn man was tut, hat man immer Kritik, wir haben kommuniziert, werden auch noch kommunizieren. Es ist eine klare Entscheidung der Geschäftsführung. Da fährt der Zug drüber."

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