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Preissenkungen: Große Energieanbieter unter Zugzwang

Preissenkungen: Große Energieanbieter unter Zugzwang

Preissenkungen: Große Energieanbieter unter Zugzwang

Die Energiepreise waren in den letzten Jahren eine der stärksten Triebfedern der Inflation, mit dem Jahreswechsel wurden die Netzgebühren teurer. Nachdem zuletzt der größte heimische Energieversorger Verbund eine Preissenkung für Strom angekündigt hatte, zog am Freitag die niederösterreichische EVN nach. Längerfristig dürften alle großen Energieversorger unter Zugzwang geraten.

Die börsennotierte EVN AG kündigte am Freitag an, die Preise für Privatkunden bei Strom mit März zu senken. In Anspruch nehmen sollen ihn Kundinnen und Kunden im Netzgebiet der EVN-Tochter Netz Niederösterreich, die Kilowattstunde (kWH) Strom soll dann weniger als zehn Cent kosten.

Druck in Richtung einer Preissenkung hatten in den letzten Tagen Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Stellvertreter Stefan Pernkopf (beide ÖVP) gemacht. Die EVN stellte allerdings in Abrede, dass das der Grund für die Preissenkung gewesen sei, und verwies in einer Aussendung etwa auf neue technische und logistische Möglichkeiten.

Neben dem überregionalen Verbund, der über das Tochterunternehmen Austria Power Grid (APG) auch Eigentümer und Betreiber des überregionalen Stromnetzes ist, gibt es in Österreich neun Energieversorger im (mit zwei Ausnahmen) zumeist mehrheitlichen oder vollständigen Eigentum der Länder: Wien Energie, EVN, Burgenland Energie, Energie Steiermark, Energie AG Oberösterreich, Salzburg AG, KELAG Kärnten, Energie Steiermark, TIWAG AG (Tirol) und illwerke vkw AG (Vorarlberg). Entsprechend groß ist der Einfluss der Länder auf die Unternehmen. Die Energieversorger halten in mehreren Fällen Anteile untereinander bzw. sind auch Aktionäre des Verbundes.

Die Bundesregierung sorge für erschwingliche Strompreise, hieß es am Freitag in einem Statement von Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) gegenüber dem ORF. Sie freue sich, "dass die EVN mit ihrer Tarifsenkung auf zehn Cent netto pro Kilowattstunde nun dem Beispiel des Verbunds und der Vorgabe des Bundes folgt".

Gleichzeitig forderte Schmidt, Staatssekretärin im Ministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, "die weiteren Landesversorger auf, sich hier anzuschließen und so gemeinsam mit der Politik für leistbare Energie zu sorgen". Sie "gehe davon aus, dass diese Positivbeispiele in den Bundesländern Schule machen werden". Das werde auch die Teuerung dämpfen.

Der Verbund deckt mehr als ein Drittel des Energiebedarfs in Österreich und ist einer der größten Erzeuger von Strom aus Wasserkraft in Europa. Anfang letzter Woche kündigte der teilstaatliche Konzern seinen neuen "Österreich-Tarif" an, er soll unter zehn Cent (Arbeitspreis) pro kWh nach bisher 15,6 Cent liegen und Kunden im ganzen Land offenstehen.

Nach der Ankündigung des Verbundes stellte die Energie Steiermark auf Anfrage der "Kleinen Zeitung" eine Preissenkung "noch im ersten Halbjahr" in Aussicht. "Fraglos setzt diese Ankündigung auch den Mitbewerb unter Zugzwang", hatte die "Kleine" das kommentiert.

Stichwort Wettbewerb: Die Regulierungsbehörde E-Control rät immer wieder dazu, Preise für Haushaltsenergie über ihren Tarifkalkulator zu vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Laut einer Aussendung vom November taten das zwischen Jänner und September des Vorjahres 299.460 Strom- und Erdgaskunden.

Bei Strom könnte (Rabattaktionen inklusive) die jährliche Ersparnis bis zu 370, bei Gas bis zu 720 Euro betragen, hieß es in der Aussendung. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf einen Modellhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh Erdgas und 3.500 kWh Strom. Es wechselten fünfmal mehr Strom- als Gaskunden ihren Tarif, die meisten davon in Niederösterreich, die wenigsten in Vorarlberg. Das hat einen Grund: Die illwerke vkw AG ist laut Preismonitor der E-Control bei Strom der günstigste Anbieter.

Natürlich kann Energie auch aus einem anderen Bundesland bezogen werden, auch wenn das nicht alle Lieferanten anbieten. Die Preise der Landes- und kommunalen Versorger sind jedenfalls unterschiedlich. Laut Preismonitor liegt das günstigste Angebot ohne Neukundenrabatte bei Strom in Vorarlberg bei 811,29 Euro, das teuerste mit 1.209,18 Euro in Kärnten. Am meisten sparen lässt sich in Graz (298,86 Euro).

Im Gaspreismonitor findet sich das beste Angebot wiederum in Vorarlberg, diesmal aber über einen alternativen Anbieter. Sparpotenzial: 373,81 Euro. In Klagenfurt liegt es bei 592,68 Euro. Mit 2.318,71 Euro ist allerdings die Energie Klagenfurt der teuerste unter den kommunalen bzw. Landesversorgern. Der günstigste ist mit 1.693,24 Euro die Tiroler TIGAS, entsprechend beträgt das jährliche Sparpotenzial dort lediglich 126,80 Euro.

Ein nicht unwesentlicher Grund dafür sind regionale Unterschiede auch bei den Netzentgelten. Die stiegen laut E-Control mit Jahreswechsel im Österreich-Schnitt um 1,3 Prozent, aber bei Weitem nicht überall gleich.

Im bundesweiten Durchschnitt liegen sie bei 9,40 Cent pro kWh, am höchsten sind sie in Kärnten, am niedrigsten in Vorarlberg. Beim Gaspreis fielen die Erhöhungen der Netzentgelte mit durchschnittlich 18,2 Prozent bzw. sechs Euro deutlicher aus. Sie stiegen in jedem Bundesland und liegen im Österreich-Schnitt bei 2,78 Cent – zwischen 1,98 Cent in Salzburg und 3,33 Cent im Burgenland.

Die Energiepreise hatten in den letzten Jahren einen deutlichen Einfluss auf die Inflation und haben ihn noch immer. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stiegen sie bis Oktober 2022 um mehr als 200 Prozent (Strom) bzw. 250 Prozent (Gas). Der Effekt: Die Inflation kletterte im Jänner 2023 auf 11,2 Prozent.

Im letzten Jahr trug ein Anstieg der Preise für Haushaltsenergie um 11,1 Prozent zu einer Jahresinflation von 3,6 Prozent bei. Die Strompreisbremse fiel als dämpfender Faktor weg. Laut Preismonitoring der Österreichischen Energieagentur (AEA) kostete Strom im November um 41,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Erdgas um 3,4 Prozent. Auch die Preise für feste Brennstoffe zogen wieder an. Der gesamte Energiepreisindex (EPI) lag um knapp elf Prozent über dem Niveau des Jahres davor.

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