Ursache unklar: Fast 40 Tote bei Zugsunglück in Spanien
Beim Entgleisen zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Andalusien im Süden Spaniens ist die Zahl der Toten gestiegen: Mindestens 39 Menschen kamen ums Leben, teilte das spanische Innenministerium der Nachrichtenagentur AFP am Montag mit. Laut dem spanischen Sender RTVE wurden mehr als 150 Menschen verletzt. Die Ursache des Unfalls ist noch gänzlich unklar.
Gegen 19.40 Uhr entgleiste am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Cordoba mit vermutlich 300 km/h. Der Zug geriet auf das andere Gleis, wo er mit einem Zug der staatlichen spanischen Bahngesellschaft RENFE zusammenstieß, der daraufhin ebenfalls entgleiste, berichtete RENFE.
"Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des RENFE-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden", schilderte Verkehrsminister Oscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört. Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Malaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete RENFE-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva.
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Regionalpräsident Juanma Moreno schloss noch in der Nacht nicht aus, dass in den "Trümmerhaufen aus Metall" weitere Leichen liegen könnten. Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden noch keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, sagte Moreno.
Feuerwehreinsatzleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: "Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß." Die Rettungs- und Räumungsarbeiten seien die ganze Nacht fortgesetzt worden. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte am Montag unterbrochen bleiben. "El Pais" zufolge sollen auch Soldaten der Armee im Einsatz sein.
"Der Iryo-Zug ist praktisch neu, und auch die Strecke selbst wurde erst kürzlich erneuert. Die Gleiserneuerungsarbeiten an diesem Abschnitt wurden erst im Mai abgeschlossen. Der Unfall ist äußerst ungewöhnlich, er ereignete sich auf gerader Strecke. Alle von uns konsultierten Experten sind völlig ratlos", wurde Puente von "El Pais" zitiert. Er kündigte die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission an und verwies darauf, das man nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten müsse.
Mehrere von Medien befragte Fachleute zeigten sich ebenso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, so der Tenor.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez sicherte schnelle Hilfe zu. "Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land", schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. "In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken", schrieb sie auf X auf Spanisch.
Spanien verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas. Spezielle Gleise mit einer Länge von insgesamt mehr als 3.000 Kilometern verbinden große Städte wie Madrid, Barcelona, Sevilla, Valencia und Malaga.
Im Jahr 2013 wurden bei der Entgleisung eines Hochgeschwindigkeitszugs vor der nordwestlichen Stadt Santiago de Compostela 80 Menschen getötet und mehr als 140 weitere verletzt. Es war Spaniens folgenschwerster Unfall dieser Art seit 1944.