Syrien gibt Festnahme hunderter Kurden in Aleppo bekannt
Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern in der syrischen Großstadt Aleppo hat das Innenministerium die Evakuierung von mehr als 400 kurdischen Kämpfern sowie die Festnahme 300 weiterer Kurden bekanntgegeben. Kurdische Kämpfer dementierten die Angaben teilweise und erklärten, betroffen seien lediglich Zivilisten.
419 kurdische Kämpfer, darunter 59 Verletzte, seien aus dem letzten kurdisch kontrollierten Stadtteil Scheich Maksud, in dem sie sich verschanzt hatten, in die autonome kurdische Zone im Nordosten gebracht worden, teilte ein Vertreter des Innenministeriums heute der Nachrichtenagentur AFP mit.
300 Kurden, darunter Mitglieder der kurdischen Sicherheitskräfte, seien zudem festgenommen worden, erklärte der Vertreter weiter. Zuvor hatte die syrische Armee ihren Einsatz in der letzten kurdischen Hochburg Aleppos für beendet erklärt.
Truppen der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus und kurdische Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20 Menschen getötet wurden. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen bis gestern rund 155.000 Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen, überwiegend kurdischen Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.
Seit dem Sturz des syrischen Langzeit-Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das im Nordwesten des Landes gelegene Aleppo weitgehend von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh standen zuletzt noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten.