Warren Buffett: Starinvestor lässt große Bühne hinter sich
Warren Buffett, der berühmteste Investor der Welt, der aus einer alternden Textilfabrik den über eine Billion US-Dollar schweren Konzern Berkshire Hathaway formte, hat sich mit Jahresbeginn aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen. Die Leitung des Konzerns übernimmt der Kanadier Greg Abel. Abel verantwortet zwar schon seit Jahren zentrale Unternehmensbereiche und Buffett bleibt dem Konzern als "Chairman" (Vorsitzender des Verwaltungsrats) erhalten, doch das Charisma des 95-Jährigen wird schwer zu ersetzen sein.
Punkto Erfolg spielte Buffett über Jahrzehnte hinweg ohnehin in einer eigenen Liga: Er baute Berkshire Hathaway seit den 1960er Jahren zu einer der größten Investmentfirmen der Welt auf – mit Beteiligungen unter anderem an Versicherungen, Energieversorgern, Industrieunternehmen und einer der größten US-Eisenbahngesellschaften. Reich wurde Buffett vor allem durch langfristige, wertorientierte Aktieninvestments, etwa in Coca-Cola, American Express oder Apple.
Buffett erzielte dabei mit Regelmäßigkeit höhere Gewinne als der Aktienmarkt im Durchschnitt: Von 1965 bis 2024 lag der durchschnittliche jährliche Zuwachs der Berkshire-Hathaway-Aktie bei 19,9 Prozent. Das wichtigste US-Aktienbarometer, der S&P 500, kam im gleichen Zeitraum auf einen Zuwachs von 10,4 Prozent, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") schrieb. Das Unternehmen verfügt über mehr als 350 Milliarden Dollar (knapp 300 Mrd. Euro) an Barmitteln und kurzfristigen Staatsanleihen sowie über 283 Milliarden Dollar an öffentlich gehandelten Aktien.
"Abel erbt den privilegiertesten Platz in der amerikanischen Wirtschaft", zitierte die "Financial Times" ("FT") Christopher Davis, Partner bei Berkshire-Investor Hudson Value Partners. "Buffett war nicht nur ein großartiger Investor, sondern auch jemand, zu dem die Menschen aufschauten, weil er das Richtige tat und fair handelte, was Berkshire einen ziemlich großen Spielraum verschaffte."
So privilegiert das Erbe sein mag, so schwierig ist es zu verwalten. Investoren und die Wall Street werden mit Argusaugen beobachten, ob Abel an Buffetts Investitionsphilosophie festhalten wird, nur Firmen mit einem guten und robusten Geschäftsmodell zu kaufen.
Doch Abel hat bereits signalisiert, dass sich das nach seiner Übernahme nicht ändern werde: Berkshire werde vor einer Investition weiterhin eine Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten des betreffenden Unternehmens für die folgenden zehn oder 20 Jahren vornehmen, unabhängig davon, ob es sich um einen vollständigen Kauf oder den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung handle.
Mit dem Führungswechsel stellt sich auch die Frage nach künftigen Dividenden. Berkshire Hathaway (Klasse A) ist die teuerste Stückaktie der Welt mit einem sechsstelligen Wert, derzeit (Stand Freitagnachmittag) beläuft er sich auf rund 636.000 Euro. Seit 1967 hat das Unternehmen nie Dividenden gezahlt, die Position war stets, dass es besser sei, Gewinne zu reinvestieren, als vierteljährliche oder jährliche Ausschüttungen an die Aktionäre vorzunehmen.
Doch schon vor Jahren gab Buffett zu bedenken, dass Berkshire Hathaways Gewinne und Kapitalressourcen dereinst ein Niveau erreichen würden, bei dem das Management nicht mehr in der Lage sei, sämtliche Erträge sinnvoll wieder zu investieren. Zu diesem Zeitpunkt müsse dann entschieden werden, ob Gewinne ausgeschüttet oder Aktienrückkaufprogramme gestartet werden.
Das könnte nun bevorstehen: 2025 schnitten die Berkshire-Aktien schlechter ab als der Referenzindex S&P 500, ein Indiz dafür, dass es dem Unternehmen schwerfällt, neue, bedeutende Akquisitionen zu tätigen.
Buffett traut seinem Nachfolger aber auch in schwierigen Zeiten Großes zu: "Ich würde lieber Greg mein Geld verwalten lassen als irgendeinen der Topinvestmentberater oder CEOs in den Vereinigten Staaten." Insidern zufolge gilt Abel als sachlich und analytisch äußerst versiert, intern bezeichnet man ihn als "Chief Problem Solver", also als "Chefproblemlöser". Sein Arbeitsethos beschrieb Buffett so: "Sein Tag hat 48 Stunden."
Von sich selbst sagt Buffett, er sei nur deswegen so lange an der Spitze seiner Firma verblieben, weil es ihm Freude bereitete. An finanziellen Aspekten lag es sicher nicht, im Ranking der wohlhabendsten Menschen der Welt scheint er seit Jahrzehnten unter den Top Ten auf. Sein persönliches Vermögen aus Berkshire-Aktien wird auf rund 150 Milliarden US-Dollar geschätzt – und das trotz Spenden von mehr als 60 Milliarden US-Dollar in den vergangenen 20 Jahren. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" bezeichnete ihn angesichts der Spendensumme als "größten Philanthropen aller Zeiten".