Schweizer Behörden: Wunderkerzen lösten Brand in Bar aus
Die Brandkatastrophe in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist nach Angaben der Behörden durch Tischfeuerwerk ausgelöst worden. Alles deute darauf hin, dass das Feuer von Wunderkerzen ausging, die die Decke der Bar in Brand setzten, hieß es am Freitag. 40 Menschen starben bei dem Unglück. Viele Schwerverletzte befinden sich in kritischem Zustand.
Für die Analyse der Brandursache seien Videos und Aussagen von Zeuginnen und Zeugen ausgewertet worden, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, am Freitag auf einer Pressekonferenz. "Es wird geprüft, ob eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird", sagte die Generalstaatsanwältin. Das wäre der Fall, wenn es eine Verantwortung noch lebender Personen gebe.
Die Behörden hatten zuvor mitgeteilt, dass es bei der Brandkatastrophe zu einem "Flashover" gekommen sei. Damit ist der plötzliche Übergang von einem entstehenden Brand zu einem Vollbrand gemeint. Deshalb sei es auch zu einer oder mehreren Explosionen gekommen.
Das Feuer in der Bar "Le Constellation" war in der Nacht auf den 1. Jänner gegen 1.30 Uhr ausgebrochen. Bisher gibt es 40 Todesopfer, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frederic Gisler, am Freitag sagte.
Die Zahl der Opfer könnte allerdings noch steigen. Viele der Schwerverletzten befänden sich weiterhin in einem kritischen Zustand, sagte der Regierungspräsident des Wallis, Mathias Reynard.
"Viele Verletzte kämpfen noch um ihr Leben." Insgesamt seien 119 Verletzte in Kliniken aufgenommen worden. 113 davon hätten identifiziert werden können. Darunter befinden sich den Angaben zufolge 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 Französinnen und Franzosen, elf Italienerinnen und Italiener und vier Serbinnen und Serben.
Die Identifizierung der Opfer werde noch Zeit in Anspruch nehmen, sagte Reynard, gegenüber dem Schweizer Sender RTS. Die Arbeiten dauerten an. Die Leichen seien so stark verbrannt, dass es Tage dauern könnte, bis die Namen aller Opfer festgestellt würden, teilten die Behörden mit.
Reynard erklärte, Fachleute nutzten für die Identifizierung Zahn- und DNA-Proben. Man müsse sich "100-prozentig sicher" sein, bevor man die Familien informiere. "Das erste Ziel ist es, allen Leichen Namen zuzuordnen", sagte der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Feraud.
Als einer der ersten Getöteten wurde am Freitag ein 16-jähriger italienischer Nachwuchsgolfer, Emanuele Galeppini, identifiziert. Viele Angehörige suchen am Unglücksort oder in den Kliniken nach ihren vermissten Familienmitgliedern. Auch einige Websites wurden ins Leben gerufen. Bisher gibt es keine Informationen, dass Österreicher oder Österreicherinnen unter den Opfern sind.
Die Brandopfer wurden auf zahlreiche Spitäler mit Spezialisierung auf Verbrennungen in der Schweiz, aber auch in Italien, Frankreich und Polen aufgeteilt. Auch Österreich und Kroatien boten Hilfe an.
Die 22 Brandopfer aus Crans-Montana, die in einer Schweizer Spezialklinik in Lausanne behandelt werden, wurden unterdessen identifiziert. Das sagte die Direktorin des Universitätsklinikums Waadt (CHUV), Claire Charmet. Die Verletzten seien größtenteils zwischen 16 und 26 Jahre alt.
In Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, sagte. Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde.
Der Schweizer Präsident Guy Parmelin nannte den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat". Er kündigte an, dass die Flaggen fünf Tage lang auf halbmast wehen sollen.
Zahlreiche Politiker und Politikerinnen aus der ganzen Welt drückten ihre Erschütterung über die Tragödie aus. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) zeigten sich tief erschüttert und drückten ihr "tief empfundenes Beileid" aus. Beileidsbekundungen kamen aus der ganzen Welt.