Polizei: Rund 40 Tote nach Brand in Crans-Montana
Durch das Feuer während einer Silvesterparty in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana sind nach Angaben der Polizei rund 40 Menschen ums Leben gekommen und 115 weitere verletzt worden. Die meisten Verletzungen seien schwer, sagte Donnerstagnachmittag der Polizeichef des Kantons Wallis, Frederic Gisler. Der Schweizer Präsident Guy Parmelin nannte den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat".
Unter den Toten und Verletzten werden viele Touristen und Touristinnen vermutet, herrscht doch derzeit Hochsaison in dem Skiort. Österreicher und Österreicherinnen sind laut Außenministerium nach derzeitigem Stand nicht unter den Opfern. Laut italienischen Angaben sind zumindest 15 Italiener unter den Verletzten, ebenso viele gelten als vermisst. Auf der Website von Crans-Montana wurde ein Polizeisprecher damit zitiert, dass die Bar Platz für rund 300 Gäste geboten habe.
Der Schweizer Bundespräsident Parmelin gab mit anderen Behördenvertretern eine Pressekonferenz. Parmelin sprach von einer der "schlimmsten Tragödien jemals" für die Schweiz und sprach allen Angehörigen das Beileid aus. Die Untersuchungen liefen auf Hochtouren, so Parmalin, der auch allen Hilfskräften dankte.
Zu Details des Unglückshergangs gab es bei der Pressekonferenz keine Angaben. Bei Fragen, ob die Notausgänge möglicherweise zu eng waren oder das Feuer durch Wunderkerzen auf Champagnerflaschen ausgelöst worden sei, wurde von den Behördenvertretern auf die noch laufenden Untersuchungen verwiesen. Sie baten um Geduld.
Bestätigt wurde, dass sich in der Bar "Le Constellation" viele junge Menschen aufhielten. Ob sich auf Minderjährige in der Bar befanden, konnten die Behördenvertreter nicht bestätigen. Es habe bisher auch keine Verhaftung gegeben. Klar sei, dass es sich nicht um ein Attentat, sondern um einen Unfall handle. Auch eine Explosion sei nicht ursächlich gewesen, sondern diese sei im Zuge eines Flächenbrands ausgelöst worden.
Die Ermittler skizzierten in einer Pressekonferenz Donnerstagvormittag den bisher bekannten Ablauf. Um 1.30 Uhr sei in der Bar Rauch festgestellt worden, zugleich sei ein Notruf bei der Polizei eingegangen, teilte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frederic Gisler, mit. Wenig später seien die ersten Polizeistreifen eingetroffen. Etwa dreieinhalb Stunden später seien alle Verwundeten erstversorgt gewesen.
Das Unglück löste einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus. Über der Region wurde ein Überflugverbot verhängt, der Ort wurde abgeriegelt. Berichten zufolge dürfen Anrainer und Anrainerinnen nur in Begleitung der Polizei in dieses Gebiet. Zehn Hubschrauber, 40 Rettungswagen und zahlreiche Helikopter kamen zum Einsatz. Unterstützung gab es auch aus Italien.
Die meisten Verletzten haben schwere Verbrennungen. Sie wurden in die umliegenden Krankenhäuser geflogen – auch außerhalb des Kantons Wallis, da die dortigen Spitäler ihre Kapazitätsgrenzen erreichten. Die meisten wurden ins Spital Wallis gebracht. Für Angehörige wurde eine Anlaufstelle eingerichtet.
Am Vormittag hatten die Behörden bereits betont, dass der Brand sei nicht durch eine Sprengsatzexplosion verursacht worden. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stephane Ganzer, unter Berufung auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.
Am Nachmittag informierten die Behörden laut SRF, dass es bei der Brandkatastrophe zu einem "Flashover" gekommen sei. Damit ist der plötzliche Übergang von einem entstehenden Brand zu einem Vollbrand gemeint. Deshalb sei es auch zu einer oder mehreren Explosionen gekommen.
Die Polizei hatte zuvor von einer "Explosion unbekannter Ursache" gesprochen. Es werde Zeit brauchen, bis der genaue Ablauf rekonstruiert werden könne, so die Polizei. Zwei Französinnen, die nach eigenen Angaben in der Bar gefeiert hatten, berichteten in einem Interview mit dem französischen TV-Sender BFM TV, dass es Kerzen in Champagnerflaschen gegeben habe. Eine davon sei zu nahe an die Holzdecke gelangt, diese sei schnell in Brand geraten. Dafür gibt es aber keine offizielle Bestätigung.
Zahlreiche Politiker und Politikerinnen aus der ganzen Welt drückten ihre Erschütterung über die Tragödie aus. Kanzler Christian Stocker (ÖVP) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) zeigten sich tief erschüttert und drückten ihr "tief empfundenes Beileid" aus.
Beileidsbekundungen kamen auch aus Frankreich, Großbritannien, der Ukraine, Israel und vielen anderen Ländern.
Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Skiort mit vielen Prominenten. Ende Jänner finden dort auch Rennen des Skiweltcups statt.