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Verband ATIB droht Ausschluss aus deutschem Zentralrat der Muslime

Verband ATIB droht Ausschluss aus deutschem Zentralrat der Muslime

Verband ATIB droht Ausschluss aus deutschem Zentralrat der Muslime

Im Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rumort es kräftig. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert führende Mitglieder, Aussagen zufolge steht eine umstrittene Gruppierung mit Wurzeln in der Türkei in dem deutschen Dachverband intern stark unter Druck.

Den Angaben zufolge beschloss der ZMD-Bundesvorstand in einer außerordentlichen Sitzung am vergangenen Wochenende, zur nächsten Vertreterversammlung den Ausschluss der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB) aus dem Zentralrat zu beantragen.

Ebenso entschied das Führungsgremium, die Mitgliedschaft der ATIB mit sofortiger Wirkung bis zu der Versammlung auszusetzen. Die bisherige ATIB-Generalsekretärin, Özlem Basöz, die dem Zentralrat als stellvertretende Vorsitzende angehört, erklärte zugleich ihren Austritt aus der ATIB.

Im aktuellen deutschen Verfassungsschutzbericht, der über Entwicklungen im Jahr 2024 informiert, wird die ATIB als islamisch orientierter Teil der extremistischen Ülkücü-Bewegung (Graue Wölfe) beschrieben. Vordenker der rechtsextremistischen Ülkücü-Ideologie und deren Lehren würden in der ATIB noch heute verehrt und zitiert, heißt es in dem Bericht.

Einen klaren Willen zur Klärung der gegen sie erhobenen Vorwürfe sei seit der Neuwahl des ATIB-Bundesvorstandes Ende Jännerr nicht zu erkennen, hieß es seitens des ZMD-Vorstandes. Während der abgewählte ATIB-Vorstand noch Bereitschaft zur Mitwirkung an diesem Klärungsprozess signalisiert habe, zeigten die jüngsten öffentlichen Signale, dass dieser Weg nach dem Führungswechsel nicht mehr fortgeführt werde.

Die Spitze des Zentralrats, der wohl auch um seine Position als Partner im interreligiösen Dialog fürchtet, hält fest, dass sich der ZMD als multiethnische, integrative Gemeinschaft verstehe, die rassistischen und extremistischen Ideologien entschieden entgegentrete.

Der ZMD-Generalsekretär Aladdin Beiersdorf-El Schallah hatte im Jänner öffentlich erklärt: "Ideologien, die Menschen abwerten oder unsere demokratische Ordnung infrage stellen, haben im ZMD keinen Platz." Das gelte insbesondere auch für die Muslimbruderschaft beziehungsweise die rechtsradikale Ülkücü-Bewegung. Im Jänner 2022 hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland einen islamistischen Verein ausgeschlossen, den der Verfassungsschutz dem internationalen Netzwerk der Muslimbrüder zurechnet.

Die ATIB Union Österreich, offiziell Türkisch-islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich, stellt in Österreich mehr als 60 Moschee-Einrichtungen. Sie wurde 1990 gegründet und ist der größte muslimische Verband Österreichs. ATIB Österreich ist Teil des Dachverbands Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ).

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